Anspruch nicht nur technischer Natur

Brandschutz – Spitze der Feuerwehren betont ethische und gesellschaftliche Werte

BAD KÖNIG. 

Wie der Chef der Dachorganisation aller südhessischen Feuerwehren bei deren Delegiertenversammlung in Bad König sagte, erfüllten die Brandschützer nicht nur einen technischen Auftrag, sondern erachteten sich auch dem humanistischen oder christlichen Grundgedanken des Helfens verpflichtet.

Ebenso verstehe die Feuerwehr ihre Arbeit als Beitrag zum Funktionieren einer Bürgergesellschaft. „Als Ergänzung politischen Handelns bilden wir eine wichtige Ressource der Demokratie“, formulierte Müller. Im Gegenzug könne von der Politik erwartet werden, dass sie die notwendigen Rahmenbedingungen für Brandschutz und Technische Hilfeleistung gewährleiste und zugleich das hohe Engagement der Erbringer dieser Leistungen würdige.

Als große Herausforderung an die Feuerwehren stellte der Bezirksvorsitzende das Anwerben neuer Mitglieder dar. Zwar hat die Zahl der Freiwilligen Feuerwehrfrauen und -männer 2012 um 344 auf 24 067 zugenommen. Doch steht dem ein Rückgang bei den Jugendwehren gegenüber, wo 8125 Kinder und Jugendliche und damit 168 weniger als 2011 eingetragen sind. Daraus folgt, dass die Feuerwehren einstweilen noch vom Übertritt Jugendlicher zu den Erwachsenen profitieren, die Nachwuchswehren sich aber aus demografischen und anderen Gründen immer schwerer ergänzen können. Das wiederum wirkt sich zwangsläufig irgendwann auch auf die Stärke der aktiven Staffeln aus.

Dabei sehen sich potenziell immer weniger Feuerwehrleute ständig steigenden Anforderungen gegenüber: So ist zwischen 2011 und 2012 die Zahl der Einsätze von 19 900 auf 21 20 gestiegen ist. Am meisten beschäftigten die Brandschützer dabei Fehlalarme (2458) und die Bergung verletzter Personen nach Unfällen (1700).

Bei diesen Zahlen sieht Müller auch die Arbeitgeber der Feuerwehrleute gefordert. Zudem hält er die Frage für erlaubt, ob das System der Freiwilligen Feuerwehren weiter aufrechtzuerhalten ist. Wenn das Modell noch funktioniere, dann nur dank des Engagements und Verständnisses allen Beteiligten einschließlich der Politik. Deren Dank an die Feuerwehren überbrachte die CDU-Landtagsabgeordnete Judith Lannert (Reichelsheim). „Sie sieht die Politik in der Pflicht. Die Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr ist ein Muss für das Gemeinwesen“, erklärte die Politikerin.

Als Vertreter des Odenwaldkreises wies Erster Kreisbeigeordneter Oliver Grobeis darauf hin, dass mit dem Fortschritt bei der Einführung des Digitalfunks und mit der Brandsimulationsanlage in Erbach gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit der Feuerwehr geschaffen wurden. Im anschließenden Vortrag über den Feuerwehr-Einsatz bei einem Chemieunfall in Oestrich-Winkel vom August 2012 wurde deutlich, wie komplex die Arbeit der Feuerwehr ist. Wie der Kreisbrandmeister der Unfallregion, Michael Eschborn, betonte, ist für die Feuerwehren die eigene Entscheidung über die Vielzahl der unterschiedlichsten Expertenmeinungen zu stellen.

Bei besagtem Einsatz jedenfalls hätten Unkenntnis der Werksleitung, sich widersprechende Einschätzungen der Fachberater und fehlende Einsicht in die Zuständigkeiten die Arbeit der Feuerwehr behindert. Erst nach 28 Tagen wurde der Einsatz beendet. Er beschäftigte 730 Einsatzkräfte und kostete 1,5 Millionen Euro.

 

Quelle: echo-online vom 27.03.2013