Die neue DIN 14092 "Feuerwehrhäuser"


Eine DIN-Norm beschreibt einen Standard, der die „… Rationalisierung und Qualitatssicherung in Wirtschaft, Technik, Wissenschaft und Verwaltung fordert. Die Normung dient der Sicherheit von Menschen und Sachen und der Qualitatsverbesserung in allen Lebensbereichen …“ (Zitat Deutsches Institut fur Normung).

Für die Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen als gesetzlicher Unfallversicherungsträger ist die DIN 14092 ein wichtiges Instrument. So wird in der Durchführungsanweisung zur Unfallverhütungsvorschrift (UVV ) „Feuerwehren“ (GUV-V C53) genau auf diese DIN 14092 Bezug genommen. Zwar ist die DIN 14092 nicht zwangsläufig bindend, doch wenn man bei der Planung von Feuerwehrhäusern die DIN 14092 zu Grunde legt, erhält man nach Fertigstellung ein Feuerwehrhaus, das die nächsten Jahre Bestand haben wird.

Die Notwendigkeit der Aktualisierung bestand, weil beispielsweise neue, erweiterte feuerwehrtechnische Ausrüstungen und Geräte im Feuerwehrhaus untergebracht werden müssen und weil mit dieser Ausrüstung und den Geräten ausgebildet und geübt werden muss. Durch die neuen Fahrzeuggenerationen, die weitaus größer ausfallen, dadurch auch mehr Einsatzmittel transportieren können, müssen beispielsweise die Fahrzeugstellplätze angepasst werden. Aber auch Anpassungen an allgemeine Hygienestandards, an die Arbeitssicherheit oder an den Gesundheitsschutz fanden bei der Überarbeitung der neuen DIN 14092 Berücksichtigung. Das ist Grund genug für uns als gesetzlicher Unfallversicherungsträger, auf einige Änderungen und Neuerungen hinzuweisen.

Die „alte“ DIN 14092: 2001-10 bestand aus sechs Normteilen. Diese sind mit der novellierten DIN 14092: 2012-04 zu drei Teile zusammengefasst und neu strukturiert worden.

Des Weiteren sind das Raumprogramm und die Mindestraumgrößen eines Feuerwehrhauses nicht mehr von der Anzahl der Fahrzeugstellplätze abhängig. Die DIN 14092: 2012-04 enthält zwar nach wie vor ein Raumprogramm, doch geht aus der aktuellen DIN viel deutlicher hervor, dass sich die Notwendigkeit vieler Räume nach jeweiligen Nutzungskonzepten richtet. Auch der Bedarf einiger Räume muss nun von der Kommune eigenverantwortlich geprüft werden. Planungsgrundlagen von Räumen oder Flächen sind, den technische Anforderungen wie z. B. Heizung, Elektrik, Wasserversorgung oder Lüftung in übersichtlicher Tabellenform zugeordnet, aufgelistet. Auch sind Verweise auf entsprechende DIN Normen, Regeln, Richtlinien oder Merkblätter übersichtlich aufgeführt.

Folgende Neuerungen und Änderungen sind mit der Aktualisierung der DIN 14092: 2012-04 für den Außenbereich zu berücksichtigen: Die neue DIN-Norm sieht vor, dass das gesamte Gelände des Feuerwehrhauses mit einer Einfriedung versehen werden sollte. Dies kann beispielweise ein Zaun, eine Mauer oder eine Hecke sein. Zur Vermeidung von Sabotage kann es erforderlich sein, dass durch die Errichtung von Zaun- und Toranlagen eine Abgrenzung zum öffentlichen Verkehrsbereich und der Nachbarbebauung herzustellen ist. Eine weitere Neuerung ist, dass die PKW-Zufahrt getrennt von der Alarmzufahrt und auf dem Grundstück kreuzungsfrei vorzusehen ist (siehe Bild). Diese Anforderung kann baulich beispielsweise mit Pflanzbeeten erreicht werden.

Die Anzahl der PKW-Stellplätze sollte mindestens gleich der Anzahl der Sitzplätze der im Feuerwehrhaus untergebrachten Einsatzfahrzeuge sein. Die Anzahl sollte mindestens 12 PKW-Stellplätze betragen. Der erste Teil der Forderung ist bekannt. Er bestand schon bei der alten DIN 14092. Neu ist jedoch, dass die Anzahl der PKW-Stellplätze mindestens 12 Stück betragen soll. Für ein Feuerwehrhaus mit einem Feuerwehrfahrzeug des Typs TSF, das gemäß Norm über sechs Sitzplätze verfügt, reichen demnach sechs PKW-Stellplätze nicht mehr aus. Hier müssen nun 12 PKW-Stellplätze errichtet werden.

Außerdem sind nach neuer DIN 14092 Treppen und Stufen im Bereich der Alarmwege nach Möglichkeit zu vermeiden. Dies gilt im Übrigen auch für den Innenbereich des Feuerwehrhauses.

Die Erstellung eines Übungshofes war bisher von der Notwendigkeit des Übungshofes abhängig. Mit der neuen DIN 14092 sollte bei Feuerwehrhäusern ab vier Stellplätzen nach Möglichkeit eine Übungsfläche vorgesehen werden.

Bis zur Aktualisierung der DIN 14092 enthielt die DIN 14092 nur Anforderungen für die Beleuchtung des Innenbereiches, nicht aber für den Außenbereich. Mit der Novellierung sieht die DIN 14092 nun vor, dass die Alarmparkplätze und die Halleneinfahrten mit einer Beleuchtungsstärke von mind. 50 lx zu beleuchten sind. Ist eine Übungsfläche geplant, muss diese mit mind. 200 lx ausgeleuchtet werden können. Eine weitere Neuerung ist die Aufnahme des Blitzschutzes in die DIN 14092. Die Planungsgrundlage sieht vor, dass das Feuerwehrhaus mit einer Blitzschutzanlage für den äußeren und inneren Bereich ausgerüstet werden muss.

Für die Planung des Innenbereiches von Feuerwehrhäusern sind folgende Neuerungen und Änderungen zu beachten: Für die Bemessung der Raumgrößen für die Umkleideräume wurden bislang nur die aktiven Angehörigen der Einsatzabteilung herangezogen. Mit der neuen DIN 14092 wurden für die Bemessung der Umkleideräume nun auch die Mitglieder der Jugendfeuerwehr berücksichtigt. Es ist für jeden aktiven Angehörigen mindestens 1,2 m2 Raumfläche (brutto) einzuplanen.

 

Fahrzeughalle

Breite x Länge

Mindesflächen, zzgl. Sicherheitsabstand
Ausstattung: Stiefelwäsche, Alarmfax / -drucker

Stellplatzgröße 1

4,50 m x 10,00 m

Tor:
Durchfahrtsbreite 3,60 m
Durchfahrsthöhe 4,00 m
Vorgesehen für alle Feuerwehrfahrzeuge mit einer Länge ≤ 8,00 m

Stellplatzgröße 2

4,50 m x 12,50 m

Tor:
Durchfahrtsbreite 3,60 m
Durchfahrsthöhe 4,00 m
Vorgesehen für alle Feuerwehrfahrzeuge mit einer Länge ≤ 10,00 m

Stellplatzgröße 3

4,50 m x 12,50 m

Tor:
Durchfahrtsbreite 3,60 m
Durchfahrsthöhe 4,50 m
Vorgesehen für alle Feuerwehrfahrzeuge mit einer Länge ≤ 10,00 m

Stellplatzgröße 4

Sondermaße nach Vereinbarung

Sonderfahrzeuge,  Fahrzeugabmessungen
zzgl. Sicherheitsabstände und Bewegungsräume


Torabmessungen abgestimmt auf die einzustellenden
Fahrzeuge zzgl. Sicherheitsabstände



Neu ist auch die Forderung nach einer Mindest-Durchgangshöhe im Feuerwehrhaus. Im Bereich der Alarmierungswege müssen die Wandöffnungen eine lichte Durchgangshöhe von mind. 2,20 m aufweisen. Diese Forderung wurde wegen des Tragens von Feuerwehrhelmen in die DIN 14092 aufgenommen. Des Weiteren sind nun die Zugänge zu den Fahrzeugstellplätzen so zu wählen, dass Verkehrswege nicht vor die Fahrzeuge führen. D. h., dass die Verkehrswege aus dem Bereich hinter der Fahrzeughalle bzw. von hinten an die Fahrzeuge heranzuführen sind. Das setzt voraus, dass in der Entwurfsphase die Umkleidebereiche und somit auch die PKW-Stellplätze im Außenbereich bereits so angeordnet werden, dass diese Forderung eingehalten werden kann.

Eine gravierende Änderung hat es bei den Stellplatzgrößen und den Größen der Tordurchfahrten gegeben (siehe Tabelle). Die DIN 14092: 2001-10 forderte für die Stellplatzgröße 1 nur eine Mindestlänge von 8,00 m. Die Torbreite betrug für den kleinsten Stellplatz 3,50 m und die Torhöhe nur 3,50 m. Nach aktualisierter Norm ist für die Stellplatzgröße 1 nun eine Stellplatzlänge von 10,00 m, eine Torbreite von 3,60 m und eine Torhöhe von 4,00 m vorzusehen. Für die Stellplatzgröße 2 haben sich ebenfalls die Stellplatzlänge und die Torabmessungen geändert, für Stellplatzgröße 3 sind es nur die Torabmessungen. Die Forderung nach einem Sicherheitsabstand bei Stützen oder einfassenden Wänden bleibt auch bei der neuen DIN erhalten.

Eine Besonderheit stellt die neue Stellplatzgröße 4 dar. Sie kommt für Sonderfahrzeuge in Betracht. Das können z. B. sehr große oder auch sehr kleine Feuerwehrfahrzeuge sein. Für die Bemessung der erforderlichen Mindest-Stellplatzlänge und Mindest- Stellplatzbreite sind die Fahrzeugabmessungen ausschlaggebend. Zu den Fahrzeugabmessungen werden rund um das Fahrzeug Sicherheitsabstände und Bewegungsräume (für die Türen und Klappen) hinzugerechnet, aus denen sich die nötige Stellplatzbreite und -länge ergibt.

Im Bereich der Gebäudetechnik sind ebenfalls Neuerungen aufgenommen worden. So ist ein Feuerwehrhaus mit 230 V Wechselstrom und 400 V Drehstrom zu versorgen, damit z. B. Alarmierungseinrichtungen, Rechneranlagen, Druckluft- und Atemluftkompressor, Be- und Entlüftungsanlagen, Werkstatteinrichtungen usw. problemlos betrieben werden können.

Die Einspeisemöglichkeit für ein mobiles Notstromaggregat war bereits in der alten DIN 14092 enthalten. Neu hinzugekommen ist jetzt, dass anstelle einer Einspeisemöglichkeit für ein mobiles Notstromaggregat eine stationäre Netzersatzanlage (NEA) vorgesehen werden muss, wenn erforderliche Funktionsbereiche im Feuerwehrhaus elektrisch versorgt werden müssen. Das ist wichtig, wenn die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr dauerhaft gewährleistet sein muss. Des Weiteren ist zusätzlich zur Notstromversorgung eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) vorzusehen, damit nach einem Stromausfall zur Überbrückung der Betrieb des Gebäudes sichergestellt ist. So kann gewährleistet werden, dass z. B die Beleuchtung, das Telefon und das Internet jederzeit funktionsfähig bleibt.

Abschließend stellt sich die Frage, welche Auswirkungen diese Änderungen und Neuerungen auf bestehende Feuerwehrhäuser haben. Nach § 33 Unfallverhütungsvorschrift (UVV ) „Feuerwehren“ (GUV-V C53) besteht zunächst einmal ein Bestandsschutz, sofern sich das Gebäude noch in seinem Ursprungszustand befindet und zum Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes die damals gültigen Unfallverhütungsvorschriften eingehalten worden sind. Wurde bereits bei Errichtung des Gebäudes gegen die damals gültigen Unfallverhütungsvorschriften verstoßen, kann kein Bestandschutz gewährt werden. Eine Anpassung an die neue DIN 14092: 2012-04 wird nur bei wesentlichen Erweiterungen oder Umbauten alter Feuerwehrhäuser notwendig oder aber, wenn durch die bauliche Anlage erhebliche Gefahren für Leben und Gesundheit der Feuerwehrangehörigen zu befürchten sind. In diesem Fall erlischt der Bestandsschutz ebenfalls, und die bauliche Anlage muss entsprechend der Unfallverhütungsvorschrift (UVV ) „Feuerwehren“ (GUV-V C53) bzw. der DIN 14092: 2012-04 umgebaut werden. 

 

Quelle: Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen (http://www.fuk.de/news/die-neue-din-14092-feuerwehrhaeuser)