Feuer in freier Natur kann teuer werden

Brandschutz – Seit diesem Jahr müssen Kommunen der Erbacher Leitstelle schriftlich Ort und Zeitpunkt melden

HÖCHST. 

Da verbrennt ein Höchster Bürger nun seit 38 Jahren stets im Frühjahr seinen Obstbaumschnitt von einer Streuobstwiese – und hält sich an die Vorschriften, meldet das Vorhaben mit einem Telefonanruf in der Feuerwehrleitstelle in Erbach an und teilt die genaue Brandstelle mit. Damit war die Sache geregelt, er verbrannte die abgeschnittenen Äste in gebotenem Abstand zur Bebauung des Höchster Ortsteils und zum Wald.

Doch jetzt geht das plötzlich nicht mehr. Von der Erbacher Leitstelle erfährt der Mann, dass er sich an die Gemeinde Höchst wenden muss. Mündliche Anzeigen darf die Feuerwehr nicht mehr entgegennehmen, alles muss nun schriftlich dokumentiert sein. Tatsächlich bekommt der korrekt handelnde Bürger – viele verbrennen Gartenabfälle einfach, ohne zu fragen oder dies anzumelden – dies von seiner Gemeindeverwaltung bestätigt. Der Leiter des Ordnungsamts habe ihn sogar gebeten, ein entsprechendes Formular auszufüllen. Außerdem wurde der Höchster noch darauf hingewiesen, dass „ein Vorlauf von drei Tagen nötig“ sei, um Ortsbrandmeister, Feuerwehr und Polizei zu benachrichtigen.

Da versteht der brave Mann die Welt nicht mehr. Drei Tage bei den heutigen Kommunikationsmöglichkeiten: Telefon, Fax, E-Mail und mehr. Auf seinen Einwand, er könne doch nicht vorhersagen, wie das Wetter in drei Tagen sei, kommt nur der Hinweis auf die Vorschrift.

Tatsächlich handelt es sich bei der Verbrennung von Obstbaumschnitt aus Behördensicht um eine Abfallbeseitigung, wie Alexander Heim als in Höchst zuständiger Sachbearbeiter bestätigt. Und ja, eigentlich muss dafür drei Tage zuvor eine Genehmigung beantragt werden. „Aber das geht auch telefonisch“, erklärt Alexander Heim. Und es geht auch mal kurzfristig, jedoch mit zumindest einem Tag Vorlauf; das bietet sich vor allem an, wenn jemand die Verbrennungsaktion verschieben musste. „Das Ordnungsamt ist da großzügig.“

Vermehrte Einsätze alsAnstoß zur Änderung

Die Feuerwehr in der Leitstelle dagegen handelt seit diesem Jahr strikt nach Vorschrift. Das bestätigte Kreisbrandinspektor Horst Friedrich auf ECHO-Anfrage. Grund: „Es gab zuletzt vermehrt Einsätze, ausgelöst von Leuten, die ihr Feuer nicht angemeldet hatten, oder deren Feuerstelle Tage lang glimmte.“ Laut Friedrich hat es viele Probleme gegeben, mussten Polizei und Feuerwehr zu unnötigen Einsätzen ausrücken, die auch noch kostenpflichtig waren. In Erbach etwa können da bis zu 600 Euro fällig werden.

Das führt schnell zu Verärgerung der Betroffenen. Die Zahl solcher Fälle hatte in den vergangenen zwei Jahren zugenommen. So wurde in Absprache mit den Bürgermeistern im Herbst 2012 bei einer Dienstversammlung das strengere Vorgehen beschlossen. In Bekanntmachungen sei auch auf die Vorschriften hingewiesen worden, glaubt der Kreisbrandinspektor sich zu erinnern.

Aus Sicherheitsgründen braucht die Feuerwehr die Angaben von den Kommunen schriftlich, auch zur Kenntnis von Brandort und Antragsteller. Diese Angaben müssen der Leitstelle mindestens einen Tag vorher vorliegen. Friedrich: „Früher haben Bürger oft kurzfristig angerufen, etwa am Samstag um 7 Uhr.“ Dann wurde auch nicht gefragt, zumal die Feuerwehr nicht die Genehmigungsbehörde ist, sondern dies dem Ordnungsamt obliegt: „Ich verbrenne heute, will’s Euch nur sagen“, schallte es manchmal aus dem Telefon, ergänzt um die Angaben, wer etwas wo verbrennt.

Das war unbürokratisch, aber nicht ganz gesetzeskonform. Laut Gesetz- und Verordnungsblatt aus dem Jahr 1975 regelt eine Vorschrift das Beseitigen von Abfällen auf landwirtschaftlichen Flächen. Aufgeführt werden unter anderem Mindestabstände und Höchstmengen. „Für ein Lagerfeuer dagegen gibt es keine genaue Regel“, erläutert Heim und appelliert an die Vernunft der Leute. Auch Lager- oder Grillfeuer sollten nicht zu groß sein, genügend Abstand zum Wald oder zur Bebauung haben und bei extremer Trockenheit nicht entfacht werden. Für alle offenen Feuer gilt wie für das Verbrennen in Öfen: Es darf nicht qualmen, außer vielleicht kurz in der Anzündphase. Das Brenngut muss also lang genug abgelagert und trocken sein.

Wer das Schnittgut nicht im zeitigen Frühjahr verbrannt hat, sollte überlegen, ob er es nicht besser den Sommer über lagert und erst im Herbst verbrennt, rät Alexander Heim. Dies hat sich für den Höchster Beschwerdeführer inzwischen erledigt. Sein Obstbaumschnitt ist nur noch Asche. Um ihn auf die Deponie zu fahren, wäre die Menge zu groß gewesen. Und länger warten wollte er auch nicht, obwohl er auf seinen Antrag bis heute keine positive Antwort bekam.

Quelle: echo-online vom 30.04.2013