RP-Brief veranlasst Feuerwehrleute zur Rückkehr

Spritzenhaus-Querelen – Nach Bestärkung der Bauforderung beenden Dorf-Erbacher Aktive ihren Ausstand

Bescheiden im Hintergrund hält sich in Dorf-Erbach das Feuerwehr-Domizil. Ihren Platz haben die Brandschützer im hinteren Bereich des Dorfgemeinschaftshauses; als ausreichend empfinden sie diese Unterbringung allerdings schon lange nicht mehr. Ob und wann die schon einmal angestoßene Verbesserung der Situation mit einem Anbau erfolgt, ist seit Monaten Gegenstand von Streit mit und in den städtischen Gremien.  Foto: Guido Schiek
Bescheiden im Hintergrund hält sich in Dorf-Erbach das Feuerwehr-Domizil. Ihren Platz haben die Brandschützer im hinteren Bereich des Dorfgemeinschaftshauses; als ausreichend empfinden sie diese Unterbringung allerdings schon lange nicht mehr. Ob und wann die schon einmal angestoßene Verbesserung der Situation mit einem Anbau erfolgt, ist seit Monaten Gegenstand von Streit mit und in den städtischen Gremien.  Foto: Guido Schiek

Ein Ende der Turbulenzen, denen sich der Brandschutz für die Kreisstadt wegen der wiederholten Zurückstellung einer Investition in die Dorf-Erbacher Feuerwehr ausgesetzt sieht, erwartet Stadtbrandinspektor Jürgen Volk. Angesichts neuen Nachdrucks für die Mittelfreigabe hat die in den Ausstand getretene Löschgruppe ihren Dienst wieder aufgenommen.
DORF-ERBACH. Zum Glück sind die Tage um Weihnachten 2013 in Erbach ohne Brände, Unfälle oder Naturkatastrophen größeren Ausmaßes vorübergegangen. Denn wohl nur deshalb ist eine Lücke in der Erbacher Notfallversorgung unbemerkt geblieben, die sich kurz vor dem Fest auftat. Wie Stadtbrandinspektor Jürgen Volk dem ECHO zum Jahreswechsel bestätigte, hatten die 15 Aktiven der Dorf-Erbacher Feuerwehr für einige Tage den Dienst quittiert. Der Erbacher Eingreiftruppe fehlten damit sowohl ein Teil ihrer Gesamtpersonalstärke als auch die ortsnahe und zeitnahe Abdeckung des nordöstlichen Stadtgebiets. Volk: Einsatzkraft war dennoch gewährleistet

Wie Jürgen Volk betonte, war die Einsatzbereitschaft dennoch stets gewährleistet. In seiner Abwesenheit hatte Stellvertreter Andreas Ihrig die Reaktionspläne entsprechend angepasst, indem er beispielsweise das Lauerbacher Team stärker in die Alarmvorgaben für die Kreisstadt einbezog. Lange freilich mussten sich die Verantwortlichen dieses Provisoriums nicht bedienen. „Praktisch zeitgleich mit der Rückzugserklärung kam es zu einer Veränderung der Nachrichtenlage, auf die unsere Dorf-Erbacher Freunde mit der Wiederaufnahme des Dienstes reagierten“, fasst der Stadtbrandmeister erleichtert zusammen.

Als entscheidende Neuigkeit nennt er einen Brief des Darmstädter Regierungspräsidiums (RP), das die Regelkonformität des Brandschutzes in den Kommunen überwacht. „In diesem Schreiben ruft der zuständige Dezernent die Stadt Erbach auf, die zwischenzeitlich bereits einmal angestoßene Verbesserung der Unterbringung von Mannschaft und Technik in Dorf-Erbach zu vollziehen“, macht Volk publik. Die Stadtteil-Feuerwehrleute gingen davon aus, dass diese Forderung von übergeordneter Stelle die Stadtverordneten veranlassen werde, von ihrem anhaltenden Zögern in dieser Frage abzurücken.

Die mehrfache Zurückstellung des Projekts durch eine parlamentarische Mehrheit nämlich ist es, die das Dorf-Erbacher Lösch- und Bergungsteam seit Monaten in Harnisch bringt und nach mehrfachem öffentlichen Protest zuletzt die bisher schärfste Konsequenz hervorrief: In einer Versammlung beschlossen die Aktiven, ihre ehrenamtliche Arbeit bis auf Weiteres ruhen zu lassen. Seine Erklärung hat dieser Schritt dabei im Zusammenwirken der Unzufriedenheit mit den örtlichen Arbeitsbehältnissen mit dem Unverständnis für das Vorgehen der Politik in der Abhilfefrage. Wie vielfach berichtet, liegt eine Besonderheit des Dorf-Erbacher Vorgangs darin, dass die Feuerwehrleute weiter auf ein Bauprojekt warten, dessen offizieller Anstoß schon lange erfolgt ist. Wie berichtet, hatte der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) auf einen entsprechenden Förderantrag der Stadt hin bereits im Oktober 2012 den Bewilligungsbescheid für den Landesanteil zum fachgerechten Ausbau der Feuerwehr-Garage in Dorf-Erbacher Gemeinschaftshaus überreicht. Als sicher galt damit der Einsatz von 250 000 Euro bei einer Landesbeteiligung von rund 80 000 Euro. Dann aber verweigerte die Stadtverordneten-Mehrheit die Freigabe der kommunalen Haushaltsmittel für das Projekt und blieb auch über das gesamte Jahr 2013 bei dieser Haltung. Unter Zurückweisung des Verdachts, hier äußerten sich möglicherweise auch die Folgen parteipolitischer Befindlichkeiten, wurde diese Position mit der schwierigen Finanzlage der unter dem Rettungsschirm stehenden Stadt, der anhaltenden Arbeit am Feuerwehr-Entwicklungsplan und Zweifeln am tatsächlichen Bedarf für die Investition in eine Stadtteil-Feuerwehr begründet.

Demgegenüber bekräftigt nun das Schreiben des Regierungspräsidiums sowohl den Bedarf nach einer funktionstüchtigen Dorf-Erbacher Feuerwehr als auch die Notwendigkeit ihrer zeitgemäßer Unterbringung und Ausstattung. Dafür reicht die Vorhaltung eines Raums, der kaum mehr als eine Fahrzeuggarage ist, nach Überzeugung der Aufsicht nicht aus; vielmehr müsse eine lokale Anlaufstelle geschaffen werden, mit der sich die Leistungsfähigkeit der Wehr sicherstellen lasse.

Wie der Stadtbrandmeister dazu in Erinnerung ruft, ist vom Feuerwehr-Stützpunkt in Erbach mit seinen 61 Freiwilligen die regelgerechte Notfallhilfe für das nordöstliche Stadtgebiet nicht zu leisten. Vor allem die unfallträchtige Bundesstraße 47, das umgebende Waldgebiet und die Stadtteile Ernsbach und Erbuch ließen sich innerhalb der gesetzlich vorgegebenen Eingreifzeit nur mithilfe der Dorf-Erbacher Feuerwehr erreichen. Dieses Team verfüge mit 15 Aktiven und einer ausreichenden Zahl tagsüber einsatzfähiger Kameraden über jene Sollstärke, die von den kleineren Nachbarwehren in Ernsbach und Erbuch nicht mehr erbracht werden könne – und gebe von der Nachwuchsarbeit und der Gesamtaufstellung Anlass zu der Erwartung, dass dies auch so bleiben werde.

Quelle: echo-online vom 02.01.2014