Verweis auf Bedeutung der Stadtteilwehren

Brandschutz – Erbacher Ausschuss widmet sich Bedarfsplan – Zwei Ersatzbeschaffungen stehen unmittelbar an

Weitgehend im Zeichen der Feuerwehr stand die Sitzung des Erbacher Haupt- und Finanzausschusses am Donnerstag. Die Mitglieder diskutierten zunächst den Bedarfs- und Entwicklungsplan der Kreisstadtwehren.
ERBACH.

Stadtbrandinspektor Jürgen Volk erläuterte den Bedarfsplan, zeigte beispielsweise einzuhaltende Hilfsfristen auf und stellte der Vorgabe von zehn Minuten den sich aus der Erbacher Topografie ergebenden Ist-Zustand gegenüber, bezogen auf Einsatzfahrten ab der Kernstadt. Mit Verweis auf besonderes Gefahrenpotenzial durch Verkehrswege, Altenheime, und andere Einrichtungen hob er die Bedeutung der Stadtteilwehren hervor, die im Notfall häufig als Erste vor Ort seien. Bürgermeister Harald Buschmann bestätigte in diesem Zusammenhang, das Netzwerk der neun Stadtteilstaffeln, die teilweise parallel alarmiert werden, habe sich bewährt.

Zum Großteil geht es in dem Plan natürlich um Kosten. So zeigt das Fahrzeugkonzept auf, welche Ersatzbeschaffungen kurz- und mittelfristig notwendig sind. Volk erhielt den Auftrag, den Plan um die zu erwartenden Zuschusshöhen zu ergänzen, um den Parlamentariern die Finanzplanung zu vereinfachen. Deutlich wurde zudem, dass sich personelle Neuzugänge in den Einsatzabteilungen nahezu ausschließlich aus den Jugendfeuerwehren rekrutieren.

Der Stadtbrandinspektor berichtete über die regionale Zusammenarbeit mit dem Ziel der Kostenreduzierung. Dabei geht es darum, bestimmte Fahrzeuge für den kreisweiten Einsatz nur noch einmal vorzuhalten. So würden in absehbarer Zeit Rüstwagen RW1 bei verschiedenen Wehren ausgemustert und nicht ersetzt. Stattdessen solle ein größeres Fahrzeug vom Typ RW3 in der Kreisstadt stationiert werden. Dieser Wagen kostet rund 300 000 Euro, allerdings beteiligen sich Land und Kreis mit 66 und zehn Prozent an der Investition, sodass für Erbach der Kostenrahmen überschaubar bleibe. Umgekehrt fällt auch in der Kreisstadt über die Jahre das eine oder andere Fahrzeug weg, das im Ernstfall eben von einer anderen Wehr angefordert wird.

Einstimmig empfahl der Ausschuss die Beschaffung eines Fahrzeuges für die Feuerwehr Haisterbach. Zu ersetzen ist dort ein 25 Jahre altes Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) durch ein heute als gesetzliche Mindestausstattung vorgeschriebenes Wasser führendes Fahrzeug des Typs TSF-W. Dafür sind im Haushalt 84 000 Euro eingestellt.

Wie Volk dazu erläuterte, finanziert das Land über eine Beschaffungsaktion die Fahrgestelle; Aufbau und Ausrüstung bezahlen die Kommunen. Statt des eingestellten Betrages dürften sich die Kosten laut Volk aber auf nur rund 60 000 Euro belaufen, zudem habe der Feuerwehrverein Haisterbach die Möglichkeit eines Eigenbeitrags angedeutet. Problem: Der Antrag auf Teilnahme an der Landesaktion muss spätestens Ende kommender Woche gestellt werden, unmittelbar nach der Stadtverordnetenversammlung am kommenden Donnerstag also. Für Verwunderung bis Unverständnis sorgte deshalb die Forderung von Jürgen Müller (Grüne), zunächst abzuwarten, bis der Bedarfs- und Entwicklungsplan beschlossen sei und im Übrigen über eine Zusammenlegung der Wehren Haisterbach und Günterfürst nachzudenken. Das würde bedeuten, so Volk, zu einem späteren Zeitpunkt ein solches Fahrzeug trotzdem beschaffen zu müssen, allerdings zu Kosten von etwa 140 000 Euro.

Seit Längerem steht bei der Kernstadtwehr ein 23 Jahre altes Wechsellader-Fahrzeug zum Austausch an. Der Zweiachser kann je nach Bedarf Ausrüstungsboxen mit unterschiedlicher Beladung aufnehmen, ist aber den Containergewichten von mittlerweile bis zu zehn Tonnen nicht mehr gewachsen, wie Stadtbaumeister Martin La Meir bestätigte.

Aktuell liegt der Stadt ein Angebot für ein drei Jahre altes Gebrauchtfahrzeug mit drei Achsen vor, das für 81 000 Euro erworben werden kann. Eingestellt sind im Etat nur 70 000 Euro; allerdings könnte für die Differenz laut Stadtkämmerer Volker Heilmann auf nicht beanspruchte Kostenpositionen aus dem Jahr 2012 zurückgegriffen werden. Weil auch bei diesem Punkt eine schnelle Entscheidung vonnöten ist, wird die Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung entsprechend ergänzt.

Volk und La Meir verwiesen mit Blick auf die Fahrzeugbeschaffung insbesondere auch auf Sicherheitsaspekte und die Tatsache, dass es für ältere Fahrzeuge oft keine Ersatzteile mehr gibt. Dies zeige sich an der Drehleiter, für die eine gebrochene Blattfeder derzeit extra von Hand angefertigt werden müsse.

Quelle: echo-online vom 30.08.2013