Gefangen im Aufzug

 

Der Betrieb von Aufzügen sowohl im Privatbereich als auch in Gewerbe und Industrie ist durch den Gesetz- und Verordnungsgeber mit der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) geregelt. Die Überwachung der Einhaltung der sich aus den gesetzlichen Vorschriften ergebenden Pflichten erfolgt durch die Gewerbeaufsicht.

Laut der Technischen Regel für Betriebssicherheit "Schutz vor Gefährdungen beim Eingeschlossensein in Personenaufnahmemitteln" (TRBS 2181) müssen alle Mitarbeiter eines Unternehmens unterwiesen werden. Sie müssen darüber informiert werden, wie sie sich zu verhalten haben, wenn sie im Aufzug feststecken und mit welchen Rettungsmaßnahmen sie rechnen können.

Der Notruf in einem Aufzug muss Tag und Nacht sichergestellt sein. Sollte der Strom im Gebäude ausfallen, muss die Notrufanlage mindestens noch eine Stunde über den Notstrom funktionsbereit sein.

Erste Schritte im Notfall
  • Bewahren Sie Ruhe und überdenken Sie die Lage, bevor Sie einen Notfall melden.

  • Machen Sie auf Ihre Situation aufmerksam. Drücken Sie den Knopf des Notrufmelders lange genug (mehrere Sekunden).

  • Ist die Notruftaste gedrückt, muss ein akustisches oder optisches Signal den Notruf bestätigen. Ein einmaliges Drücken der Notruftaste muss ausreichen, um ein Signal abzusetzen und im weiteren Verlauf hören und sprechen zu können.
Die Reaktion auf den Notruf kann unterschiedlich sein:

Aufzug mit Gegensprechanlage: Alle Aufzüge, die nach 1998 errichtet bzw. wesentlich verändert wurden, verfügen über eine Gegensprechanlage. Es melden sich entweder der Aufzugswärter, eine eingewiesene Person, die auch im Normalfall die Befreiung durchführen kann, oder das Personal einer Notrufzentrale. Der Helfer erkundigt sich nach der Art des Notfalles, leitet die erforderlichen Maßnahmen ein und hält den Kontakt zu Ihnen.

Aufzug ohne Gegensprechanlage: Bei älteren Aufzügen gibt es häufig eine Hupe oder eine Klingel, mit der Sie auf den Notfall aufmerksam machen können. In diesem Fall wird eine eingewiesene Person, zum Beispiel ein Hausmeister, ein Pförtner oder ein Aufzugswärter versuchen, von außen mit Ihnen Kontakt aufzunehmen und die erforderlichen Maßnahmen einzuleiten – Weitermeldung oder Befreiung. Hierbei kann es unterschiedlich lange dauern, bis auf den Notruf eine Reaktion erfolgt.

Doch nach Betriebssicherheitsverordnung muss derjenige, der eine Aufzugsanlage betreibt, sicherstellen, dass auf Notrufe aus einem Fahrkorb in angemessener Zeit reagiert werden kann und dass Befreiungsmaßnahmen sachgerecht durchgeführt werden. Es gilt: Nach spätestens 30 Minuten sollte der "Steckengebliebene" aus seiner misslichen Lage befreit werden.

Aufzug mit Anschluss an ein Leitsystem für Fernnotrufe: Ein Mitarbeiter der Notrufzentrale gibt die Notrufmeldung nach wenigen Sekunden weiter und hält bis zum Eintreffen der Helfer mit Ihnen Kontakt. Es kann einige Minuten dauern, bis der Aufzugswärter oder ein anderer Helfer vor Ort sind. Dies hängt auch von der Entfernung zwischen Aufzug und Ort der Wartungsfirma ab.

Moderne Notrufleitsysteme: Modernste "Leitsysteme für Fernnotrufe" neuer Aufzüge ermöglichen den Mitarbeitern einer Notrufzentrale direkten Zugriff auf die Steuerung des Aufzuges. Sie können die Befreiung unmittelbar durchführen. Solche Systeme gewährleisten auch, dass Notrufe nicht missbräuchlich abgesetzt werden.


Befreiung

Befreiung bedeutet, dass der Aufzug in eine Position gebracht wird, in der die Aufzugstür von außen geöffnet werden kann – häufig im nächst tiefer gelegenen Stockwerk. Dies kann durch eine eingewiesene Person, wie den Aufzugswärter, den Monteur einer Wartungsfirma oder die Feuerwehr erfolgen.

Die Feuerwehr kommt dann zum Einsatz, wenn die Anfahrtszeit des Aufzugsmonteurs zu lange dauern würde oder diese direkt, beispielsweise durch andere Hausbewohner, alarmiert wurde. Der Feuerwehreinsatz ist für den Betreiber kostenpflichtig.

Tipps
  • Haben Sie in Ihrer Wohnanlage oder in Ihrem Unternehmen einen oder mehrere Aufzüge die Sie oder Ihre Mitarbeiter benutzen, erkundigen Sie sich beim Eigentümer oder der Hausverwaltung nach den Sicherheitsmaßnahmen.

  • Aufzüge sind regelmäßig durch eine zugelassene Überwachungsstelle "ZÜS" wie TÜV, DEKRA oder andere prüfen zu lassen. In der Regel gibt eine Plakette im Aufzug Auskunft über die Wartung.

 

Notrufsignale funktionieren oft nicht

Wie ein aktueller Test des NRW-Arbeitsschutzes zeigt, gibt es erhebliche im Notfallmanagement von Aufzugsanlagen. Bei 12 Prozent der mit einer Hupe oder Klingel ausgerüsteten „Altanlagen“ war das Signal nicht wahrnehmbar, bei jeder zweiten (55 Prozent) reagierte niemand auf das Signal. Aber auch bei den neueren Aufzügen gab es Mängel: Bei jedem zehnten modernen Aufzug mit einem Fernnotrufsystem kam keine Sprechverbindung zustande.

Insgesamt überprüfte der NRW-Arbeitsschutz 583 Aufzüge in Wohn- und Geschäftshäusern, 125 alte – ohne Fernnotrufsystem – und 458 moderne.

Mehr Informationen unter: www.mais.nrw.de


Quelle: Bayerisches Staatsministerium der Justiz und für Verbraucherschutz


Der Tipp der Feuerwehr:

Erste Schritte im Notfall
  • Bewahren Sie Ruhe und überdenken Sie die Lage, bevor Sie einen Notfall melden.  Sie haben Zeit, denn Aufzüge nach deutschem Standard können nicht abstürzen, denn hierfür sind sie mit Fanghaken ausgerüstet.

  • Machen Sie auf Ihre Situation aufmerksam. Drücken Sie den Knopf des Notrufmelders lange genug (mehrere Sekunden).

  • Ist die Notruftaste gedrückt, muss ein akustisches oder optisches Signal den Notruf bestätigen. Ein einmaliges Drücken der Notruftaste muss ausreichen, um ein Signal abzusetzen und im weiteren Verlauf hören und sprechen zu können. 
  • Meldet sich innerhalb von 5 Minuten niemand bei ihnen, greifen Sie zu ihrem Handy und wählen Sie die Notrufnummer 112.  Die Leitstelle der Feuerwehr wird ihnen dann die zuständige Feuerwehr zu ihrer Befreiung alarmieren. 
  • Haben Sie kein Handy zur Verfügung, dann machen Sie sich durch Rufen oder Klopfen auf sich aufmerksam. Machen Sie sich hierbei bewusst, dass Aufzüge gewöhnlich dort verbaut sind, wo auch eine größere Anzahl an Menschen einen Aufzug benötigen. Aus dieser Überlegung wird Ihnen bewusst werden, dass Sie gehört werden. Natürlich kann hierfür eine gewisse Zeit vergehen. Deshalb: Bewahren Sie Ruhe und überdenken Sie die Lage.  Sobald ihnen jemand antwortet, fordert sie diese auf, die Notrufnummer 112 zu wählen und fordern von dieser Person, dass Sie mit ihnen in Kontakt bleibt, mindestens bis zum Eintreffen der Feuerwehr.